Das KinderKunstLabor (Arbeitstitel) – ein Ort der Vermittlung von Kunst und kulturellen Kompetenzen mit und für Kinder

Mit dem KinderKunstLabor (Arbeitstitel) erhält St. Pölten 2024 eine in Europa einzigartige Kunst- und Kulturinstitution, einen innovativen Ort der Begegnung zwischen Kindern bis 12 Jahren, zeitgenössischer Kunst und Künstler*innen mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössiche bildende Kunst. Es entsteht ein Ort, der konsequent aus Kindersicht gedacht ist und an dem ihre Kreativität anspruchsvoll und wertungsfrei gefördert wird. Kinder sind dabei nicht bloß Besucher*innen, sondern wirken bereits jetzt in Kinderbeiräten aktiv bei inhaltlichen und gestalterischen Entscheidungen mit. 

Die neue Kultureinrichtung wird an einem der Verbindungswege zwischen Innenstadt und Kulturbezirk, im Altoona-Park, erbaut und umfasst einen variabel nutzbaren Ausstellungs- bzw. Veranstaltungsbereich, zwei KunstLabors (als Workshop- bzw. Atelierräume), einen inspirierend gestalteten Indoor-Kleinkindbereich, ein Café, einen innovativen Spielplatz („Design Playground“) im Freigelände sowie eine große Park äche (Altoona-Park). Es umfasst außerdem eine zentrale Informations- und Beratungsstelle für anspruchsvolle Kinderprogramme in St. Pölten und ganz Niederösterreich sowie ein Kompetenzzentrum für Kunst- und Kulturvermittlung für Kinder. Das KinderKunstLabor soll neben der künstlerischen Arbeit und der Präsentation zeitgenössischer Kunst ein barrierefreier und niederschwelliger Ort der Begegnung für Kinder und Familien jedweden kulturellen und sozialen Hintergrunds werden. 

Der Wunsch nach Kunst- und Kulturangeboten speziell für Kinder und die Lücke in der bildenden Kunst 

Im Rahmen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2024 führte das Projektteam viele Gespräche mit der Bevölkerung. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass sich die Bürger*innen unter anderem mehr Kunst- und Kulturangebote und Vermittlungsangebote speziell für Kinder wünschen. „Sie vermissen aber auch ansprechende, inspirierende Spielplätze und Orte der Begegnung ohne Konsumzwang. Das KinderKunstLabor soll all das bestmöglich bieten“, sagt Carolin Riedelsberger, Projektleiterin des KinderKunstLabor. Zusätzlich wurde das Kunst- und Kulturangebot für Kinder in St. Pölten und Niederösterreich qualitativ und quantitativ analysiert. Eines der Ergebnisse war, dass es nur sehr wenige Institutionen gibt, deren Programm sich ausschließlich bzw. primär an Kinder bis 12 Jahren richtet. Und meistens bewegen sich diese Institutionen im Bereich Musik, Tanz, Theater, Literatur und Naturwissenschaften. Laut der Recherche gibt es bislang außerdem keine Kulturinstitution in Niederösterreich, deren Architektur und Gestaltung von Beginn an auf die Bedürfnisse und Wünsche von Kindern ausgerichtet sind. 

Die Erarbeitung des Konzeptes für das KinderKunstLabor erfolgte dann in zwei Schritten mit einer sehr diversen Gruppe, bestehend aus Vertreter*innen zahlreicher Kulturinstitutionen wie den Musik- und Kunstschulen, aus lokalen und internationalen Expert*innen und Pädagog*innen. Wichtig war, möglichst viel Wissen, Expertise aber auch unterschiedliche Blickwinkel zu bekommen. In Fokusgruppen mit Volksschulklassen (sog. Kinderbeiräte) aus St. Pölten wurden auch von Beginn an Kinder aktiv mit eingebunden. Dieser Anspruch wird weiterhin verfolgt, um zu gewährleisten, dass das neue Haus ganz konsequent auf die Wünsche und Bedürfnisse von Kindern eingehen – das betrifft das Programm genauso wie die Architektur und die Gestaltung. 

Kinder im unmittelbaren Kontakt mit Künstler*innen und Kunst 

Das KinderKunstLabor verfolgt einen interdisziplinären Ansatz. Fokus und Ausgangspunkt liegen auf der zeitgenössischen Kunst, insbesondere auf der zeitgenössischen bildenden Kunst. Das ganze Spektrum an künstlerischer Produktion, von Videokunst, Fotografie, über Malerei, Theater, Musik, Literatur und Performance kann daran anknüpfen.

An zeitgenössischen, künstlerischen Inhalten lassen sich aktuelle gesellschaftliche, soziale und politische Entwicklungen ablesen, aber auch subjektive Sichtweisen. Kinder sind bis zum Beginn der Pubertät zumeist noch sehr offen für Neues: Sie sind neugierig, auf der Suche nach ihrer eigenen Position in der Gesellschaft und nach Selbstbestimmung; sie artikulieren die eigene Sicht auf die Dinge. „All das sind Voraussetzungen für ein kreativ-schöpferisches Denken und Handeln. Das ist wiederum eine Voraussetzung dafür, in unserer schnelllebigen Zeit einen eigenen, selbstbestimmten und gestaltenden Platz einzunehmen“, betont Andreas Hoffer, Künstlerischer Leiter des KinderKunstLabors in der Projektentwicklungs- und Vorbereitungsphase sowie Kurator der Kunsthalle Krems. Insofern gehe es in der Arbeit des KinderKunstLabors implizit immer auch um die Entwicklung und Förderungen von sozialen und kulturellen Kompetenzen mit den Mitteln der Kunst. „Wir alle wünschen uns junge Menschen, die Selbstwert haben, die leistungs- und lösungsorientiert, mutig und forschend sind. Gerade die Beschäftigung mit Kunst, Kultur und Kreativität ist ein Weg, um diese Kompetenzen zu entwickeln. Forschungen haben ergeben, dass ein früher Umgang damit ein weitaus besserer Schutzfaktor vor späterer Arbeitslosigkeit ist als die reine Akademisierung“, erklärt Martina Leibovici-Mühlberger, Ärztin und Expertin in den Bereichen Erziehung und Entwicklungspsychologie. 

Das Laborsetting – weit mehr als nur ein Bastelworkshop 

Die Ausstellungen im KinderKunstLabor sind Inspirationsquelle für die Kinder. Kunst wird dort unverfälscht gezeigt, sie hängt tiefer und es gibt eine spielerische Annäherung bei der Vermittlung durch intensiv geschulte Kunstvermittler*innen; im relevanten Ausmaß auch gemeinsam mit dem*r jeweiligen Künstler*in. Anschließend können sich die Kinder dann in einem „Laborsetting“, ähnlich einer Werkstatt oder einem Atelier, selbst kreativ ausprobieren. Der Bezug zur aktuellen Ausstellung erfolgt über die Themen, die Künstler*innen-Persönlichkeit, Materialien oder Techniken. Es gilt dabei nicht ein genau definiertes „Produkt“ zu schaffen, sondern der offene Prozess selbst ist neben dem kreativen Output Teil des Ergebnisses. „Kinder können ihre eigene Kreativität ausloten, erweitern und stärken – und das wertungsfrei. Es ist ein Raum für die kreative Selbstermächtigung der Kinder“, so Hoffer. 

Die Kinderbeiräte – Ermächtigung zur Selbstermächtigung 

Kinder wirken in sogenannten „Kinderbeiräten“ aktiv bei inhaltlichen und gestalterischen Entscheidungen betreffend das Gebäude und das Programm mit. „Im Prinzip ist das eine Art ‚Lehrwerkstatt für demokratisches Bürger*innen-Sein‘. Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen, sich zu beteiligen und sich einzubringen“, erklärt Leibovici-Mühlberger.

„Bereits jetzt arbeiten wir mit einer Schulklasse aus St. Pölten und werden die Kinderbeiräte stetig erweitern. In Workshops bereiten wir mit ihnen das KinderKunstLabor vor und schaffen Möglichkeiten, damit sie sich spielerisch mit dem Thema auseinandersetzen“, betont Hoffer. So entwickelten Kinder bereits erste Ideen für die äußere Gestaltung des KinderKunstLabors und artikulierten Anforderungen, etwa Rutschen, Kinderbars oder Ruheräume für Eltern. Sie liefern damit wesentliche Impulse, um dem Anspruch des KinderKunstLabors nach der konsequenten Ausrichtung auf Kinder gerecht zu werden. Auch über einen griffigen Namen für das KinderKunstLabor wird ebenfalls mit ihnen nachgedacht. 

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Workshop mit der ersten Kinderbeiratsklasse unter der Leitung von Elisabeth Karner der Franz Jonas Volksschule mit dem Künstlerischen Leiter des KinderKunstLabors, Andreas Hoffer

Temporäres KinderKunstLabor als Vorprojekt 2021 

„Uns ist wichtig, dass die Menschen schon jetzt erkennen, welchen Mehrwert ihnen das KinderKunstLabor bringt und worauf sie sich freuen dürfen. Daher werden wir 2021 in einem temporären Vorprojekt in der Innenstadt sozusagen ein ‚KinderKunstLabor im Kleinen‘ testen“, so Riedelsberger. Bereits in diesem Vorprojekt wird die aktive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer bildender Kunst bei den teilnehmenden Kindern prägende und inspirierende Erlebnisse schaffen, die sie in ihrer Entwicklung stärken. 

Altoona-Park 

Eine innovative Kulturinstitution wie das KinderKunstLabor braucht einen relevanten Außenbereich zum freien Herumtoben und mit genügend Raum für einen künstlerisch anregenden Spielplatz. Es soll an der Schnittstelle zwischen Innenstadt und Kulturbezirk liegen und vom Bahnhof her fußläufig erreichbar sein. Dies sind nur einige der insgesamt 14 Kriterien die anhand des Detailkonzeptes für die Standortsuche definiert wurden. Rund 25 Standorte kamen in die engere Auswahl, der Altoona-Park erwies sich in vielerlei Hinsicht als geeignetster Standort. Er wurde einer Machbarkeitsstudie der Fa. FCP unterzogen, wichtige Begleitmaßnahmen wurden von der Stadtplanung St. Pölten ausgearbeitet und der gesamte Prozess wird vom Büro Raumposition von Prof. Scheuvens, Dekan an der Fakultät für Architektur und Raumordnung der TU Wien, begleitet. Ziel ist die nachhaltige und deutliche Aufwertung sowie die verstärkte öffentliche Nutzung dieses innerstädtischen Grünraums. Das neue Gebäude wird eine räumliche Abgrenzung zur Straße bieten und so den Straßenlärm dämpfen. Gemeinsam mit den weiteren landschaftsplanerischen und landschaftsarchitektonischen Maßnahmen den momentan wenig genutzten Park aufwerten. „Das Ziel ist, einen klaren, öffentlichen Mehrwert durch einen integrativen Planungsansatz zu schaffen“, betont Albrecht Großberger, operativer Geschäftsführer von Büro St. Pölten 2024 und KinderKunstLabor. 

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So könnte der Altoona Park Neu aussehen (Credits: Steve Stiglmayr)

Kompetenzzentrum für Kulturvermittlung 

Im KinderKunstLabor entsteht zudem ein Kompetenzzentrum für qualitativ anspruchsvolle Kulturvermittlungsprogramme, das anderen Institutionen offen steht. Das KinderKunstLabor möchte damit Impulse setzen, um die Qualität des Kultur- und Vermittlungsprogramms für Kinder in ganz Niederösterreich zu sichern und zu steigern, etwa durch Fachsymposien oder Fortbildungsangebote. Bereits jetzt vernetzt sich das KinderkunstLabor mit regionalen, überregionalen und internationalen Kunst-, Kultur- und Bildungsinstitutionen, um ein interdisziplinäres Vermittlungscluster von europäischem Format aufzubauen. Auf lange Sicht ist auch geplant, eine zentrale Informations- und Anlaufstelle für Kinderkulturprogramme in St. Pölten, der Region und Niederösterreich einzurichten. 

 

 

 

 

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